Kohlschütter, Ernst

(11. Januar 1870 bis 18. Oktober 1942)

Ernst Kohlschütter

Ernst Kohlschütter

Kohlschütter studierte 1890-97 in Halle, Straßburg, Kiel und Paris Mathematik und Astronomie und wurde in Kiel 1896 bei F. Krüger zum doctor philosophiae promoviert. Seit 1897 Assistent der Astronomen der Preußischen Akademie der Wissenschaften, wurde er 1898 zum Astronom ernannt und war als solcher 1898-1900 im deutschen Schutzgebiet in Ostafrika tätig. Als Mitglied der Deutsch-Englischen Grenzregulierungskommission führte er dort Grenzvermessungen gegen Britisch-Zentralafrika aus. Als Teilnehmer der ostafrikanischen Pendelexpedition der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen führte er zudem Schweremessungen hoher Genauigkeit durch, die unerwartet große negative Anomalien ergaben. 1900-21 war Kohlschütter im Reichsmarineamt in Berlin tätig, zuletzt als Ministerialrat. Er bearbeitete und vereinfachte die Rechenverfahren der Nautischen Astronomie, er erfand und verbesserte dabei benötigte Hilfsgeräte; vor allem seien seine Untersuchungen der Kimmtiefe erwähnt. Er schrieb in dieser Zeit auch wichtige Teile für mehrere vom Reichsmarineamt herausgegebene Lehrbücher der Navigation.

1909 in Berlin habilitierte, 1914 Honorarprofessor, wurde Kohlschütter 1922 ordentlicher Professor der Geodäsie und im selben Jahr Direktor des Preußischen Geodätischen Instituts in Potsdam, das er bis 1935 leitete. In dieser Eigenschaft wurde er Vorsitzender des Beirats für Vermessungswesen. Er widmete sich wieder Schweremessungen, so zum Aufsuchen von Kohlelagern; dabei konstruierte er 1927 ein Minimumpendel für relative Schweremessungen und 1930 einen leichten Zweipendelapparat. Neben Angenheister wirkte er an der Gründung einer Kommission zur geophysikalischen Reichsaufnahme mit und setzte erstmalig Quarzuhren für solche Arbeiten ein.

Besonders wichtig war in diesen Jahren auch Kohlschütters Mitwirken in internationalen Gesellschaften. Ihm gelang es, durch Zusammenarbeit mit neutralen Nachbarstaaten gemeinsame Vermessungen in Gang zu bringen. In der 1924 gegründeten Baltischen Geodätischen Kommission war er der deutsche Vertreter und während einer Wahlperiode auch ihr Präsident. Auf diese Weise machte Kohlschütter auch die Wiederanerkennung Deutschlands im Internationalen Forschungsrat möglich. Nach Beginn des 2. Weltkriegs stellte sich Kohlschütter noch einmal der Marineleitung zur Verfügung.
(Quelle: Freiesleben, Hans Christian, „Kohlschütter, Ernst“, in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 432 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd11630801X.html)

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